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Energiebedarf im Eigenheim

Wie berechnet man den Energiebedarf eines Eigenheims? So, oder so ähnliche Suchanfragen habe ich schon öfter in der Webseitenstatistik gesehen.

Unter "Energiebedarf" können für einen Energiemanager aber unterschiedliche Dinge gemeint sein. Der Einfachheit halber betrachte ich hier nur die Wärmeerzeugung (Heizung & Warmwasser), da dieser Bereich in Deutschland ca. 88% des Endenergiebedarfs eines Haushalts ausmachen.

  1. Heizwärmebedarf (HWB), auch bezeichnet als Heizenergiebedarf oder Nutzenergie Qh [kWh/a]
  2. Endenergiebedarf (EEB) Qf, QE [kWh/a]
  3. Primärenergiebedarf lt. EnEV Qp [kWh/a]

Um Gebäude besser vergleichen zu können, zum Beispiel bei Inseraten, wird der spezifische Heizwärmebedarf (auch flächenbezogener Heizwärmebedarf) angegeben [kWh/(m²·a)].

Bei allen drei Begriffen handelt es sich um Energie, welche in Joule, Wattsekunde, Wattstunde  für ein Jahr angegeben wird. Meistens schreibt man die Energie mit den Vorsätzen für Maßeinheiten Kilo, Mega, Giga usw.

1. Heizwärmebedarf (Heizenergiebedarf, Nutzenergie)

Der Heizwärmebedarf, ist die Zahl, die beim Heizkostenrechner an mehreren Stellen angezeigt wird. Dies ist die Energie für Warmwasser (Wasserhahn, Duschkopf) und Raumwärme (Heizkörper oder Fußbodenheizung).

Zur Berechnung (Schätzung) des Heizwärmebedarfs biete ich derzeit drei Berechnungsmethoden an:

  1. Berechnung des Heizwärmebedarfs basierend auf Ihrem bisherigen Heizmaterial-Verbrauch
  2. Mittels Energieausweis, wenn darin der "Heizwärmebedarf Standortklimazonenbezogen" enthalten ist
  3. Abschätzung des Gebäudezustand

Ein Energieberater kann auch eine exakte Heizwärmebedarf-Berechnung gemäß DIN V 18599-1 mit dem Titel "Energetische Bewertung von Gebäuden – Berechnung des Nutz-, End- und Primärenergiebedarfs für Heizung, Kühlung, Lüftung, Trinkwarmwasser und Beleuchtung" durchführen.

Der Begriff Heizwärmebedarf (ist eine Energie [kWh/a]) wird oft mit dem Begriff Heizlast (ist eine Leistung [kW]) verwechselt.

2. Endenergiebedarf

Der Endenergiebedarf ist die Energie, die an der Gebäudeaußengrenze ankommt und für die auch Geld bezahlt wird, z.B. 3500 l Heizöl, 12.000 kWh Strom. Kostenlose Energie (Solar, Erdwärme, Luft) wird nicht dazugezählt.
Beim Heizkostenrechner wird der Endenergiebedarf für die alte Heizung in Tabelle @1 - Spalte Menge/Jahr und für die neue Heizung in Tabelle @4 - Spalte Menge/Jahr angezeigt. Bei Hackschnitzel, Pellets, Scheitholz und Heizöl werden die Kilowattstunden nicht angezeigt, sondern nur im Hintergrund berechnet.

3. Primärenergiebedarf laut EnEV

Der Begriff Primärenergiebedarf laut EnEV wurde eingeführt um CO2-Emissionen zu berechnen, Klimaziele und Obergrenzen einzuführen. Den Primärenergiebedarf berechnet man, indem man Endenergiebedarf mit Primärenergiefaktor multipliziert. Die Primärenergiefaktoren werden staatenspezifisch festgelegt.
In Deutschland gelten folgende Primärenergiefaktoren:

  • Heizöl 1,1
  • Erdgas, Flüssiggas 1,1
  • Steinkohle, Braunkohle 1,1 bzw. 1,2
  • Holz (Pellets, Hackschnitzel) 0,2
  • Nah- und Fernwärme aus Kraft-Wärme-Kopplung 0,0
  • Nah- und Fernwärme aus Heizwerken 0,1 bzw. 1,3
  • Strom 2,4
  • Umweltenergie (Solarenergie, Umgebungswärme, u.ä.) 0,0


Beispiel:

Werden 1000 kWh Strom-Endenergie geliefert, dann werden für die Herstellung in Deutschland für die Herstellung im Durchschnitt 2400 kWh fossile Energie benötigt.

Werden 1000 kWh Pellets-Endenergie (= 217,4 kg) geliefert, dann werden für die Herstellung in Deutschland für die Herstellung im Durchschnitt 200 kWh fossile Energie benötigt (Transport, Säge...).

Das ist die Theorie hinter den Primärenergiefaktoren. Diese wurden zuletzt bei der EnEV 2014 upgedatet.

Zusammenfassung

Energiebedarf

Der Heizenergiebedarf ist die Energie, die am Wärmeüberträger im Raum (z.B. Heizkörper) bzw. Heizstab im Boiler benötigt wird. Der Heizenergiebedarf kann z.B. durch Dämmung gesenkt werden.

Der Endenergiebedarf ist die Energie, die zum Gebäude geliefert wird und für die bezahlt wird. Eine effizientere Heizung senkt den Endenergiebedarf. Wird Solar- und Umgebungswärme genutzt, dann kann der Endenergiebedarf niedriger als der Heizenergiebedarf sein.

Der Primärenergiebedarf lt. EnEV sagt nichts darüber aus, wieviel Energie ein Gebäude benötigt, sondern nur wieviel Fossile Energie (nicht CO2-neutral) ausgestoßen werden.

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